BIM in der FM/O&M-Phase: Wie Gebäudeeigentümer damit beginnen können, ihre bestehenden Anlagen und Vermögenswerte zu digitalisieren

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Bild von Ole Kristian Kvarsvik
Ole Kristian Kvarsvik
Viele Gebäudeeigentümer stehen vor der Herausforderung, ein Portfolio zu verwalten, das sich über Jahrzehnte erstreckt und dessen Dokumentation von Papierzeichnungen bis hin zu detaillierten BIM-Modellen reicht. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, diese Informationen für den Betrieb und die Instandhaltung nutzbar zu machen. Helse Vest hat einen schrittweisen Ansatz gewählt: Beginnend mit der vorhandenen Dokumentation, werden einfache BIM-Modelle von älteren Gebäuden erstellt und bei Bedarf durch 3D-Scans ergänzt. Mit dRofus als Projektinformationsmanagement- (PIM) und Asset-Informationsmanagement-System (AIM) wird die gesamte Dokumentation mit Räumen und Komponenten im StreamBIM-Modell verknüpft. Das Ergebnis ist ein lebendiges digitales Archiv, das sich allmählich zu vollständigen digitalen Zwillingen entwickelt.

Einführung

Gebäudeeigentümer stehen heute vor einer großen Herausforderung: Ihre Gebäude und Anlagen sind oft über mehrere Jahrzehnte, manchmal sogar über ein Jahrhundert hinweg gebaut worden. Die Dokumentation ist ebenso vielfältig wie die Gebäude selbst - von vergilbten Papierzeichnungen und eingescannten PDFs bis hin zu vollständigen BIM-Modellen, die von aktuellen Projekten geliefert werden. In den letzten 20 Jahren haben viele Projekte BIM-Modelle geliefert, aber die Qualität war oft sehr unterschiedlich. Bauherren erben oft Modelle, die sie in der Betriebs- und Wartungsphase nicht nutzen können. Ausreden gibt es viele - schlechte Datenqualität, Betriebs- und Wartungsanwendungen, die die Modelle nicht nutzen können, oder eine Kombination aus beidem. Viele schrecken vor BIM-Tools zurück, weil der größte Teil ihres Gebäudeportfolios ohnehin nicht modelliert ist, was zu einer ständigen Ausrede wird. In der Zwischenzeit verrotten die Modelldateien und “sterben” vor sich hin.

Das muss nicht so sein. Der Schlüssel liegt darin, mit der vorhandenen Dokumentation zu beginnen, sie in die täglichen Prozesse zu integrieren und Schritt für Schritt Datensätze aufzubauen. Helse Vest ist ein gutes Beispiel für einen Gebäudeeigentümer, der diese Herausforderung ernst genommen hat. Mit rund 500 Gebäuden und einem Portfolio von einer Million Quadratmetern befindet sich das Unternehmen mitten in einer digitalen Transformation mit einem klaren Ziel: Im Laufe der Zeit soll der gesamte Gebäudebestand “BIM-ifiziert” werden, wobei die kritischsten Gebäude einen digitalen Zwilling erhalten.

Ausgangspunkt: große Unterschiede in der Dokumentation

Bei ihren jüngsten Projekten - wie BUS2 in Haukeland, SUS2023 in Stavanger und dem neuen Krankenhaus in Førde - hat Helse Vest sehr detaillierte BIM-Lieferungen erhalten. Diese Modelle sind nahezu perfekte digitale Zwillinge, wobei BUS2 bereits mit dem BMS und der Anlagendatenbank verbunden ist.

BIM aus dem BUS2-Projekt, verbunden mit dem Building Management System (BMS) von Schenider Electric

BIM aus dem BUS2-Projekt, verbunden mit dem Building Management System (BMS) von Schenider Electric

Die Herausforderung liegt in dem restlichen Gebäudebestand. Viele der älteren Gebäude verfügen über eine Dokumentation, die von eingescannten Papierzeichnungen bis zu einfachen PDFs und DWGs reicht. Das Ergebnis ist eine fragmentierte Informationsbasis, die im täglichen Betrieb schwer zu nutzen ist und auf der keine ganzheitliche Managementstrategie aufgebaut werden kann.

 

Die Strategie: vom Bauprojekt zum Betrieb und zur Instandhaltung

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat Helse Vest eine klare Strategie entwickelt, die auf drei Grundsätzen beruht:

  1. Alle Informationen müssen immer auf dem neuesten Stand sein
  2. Informationen müssen für alle zugänglich sein, die sie benötigen
  3. Informationen müssen leicht zu finden sein

Dies bedeutet, dass die Kluft zwischen Bau und Betrieb überbrückt werden muss, um sicherzustellen, dass die in den Projekten erstellten Daten auch in der Betriebs- und Instandhaltungsphase genutzt werden.

Schrittweise Digitalisierung von bestehenden Gebäuden

Der Schlüssel ist die schrittweise Digitalisierung. Anstatt zu versuchen, alles auf einmal zu konvertieren, beginnt Helse Vest mit der bereits vorhandenen Dokumentation. Diese wird in StreamBIM veröffentlicht, wodurch sie durchsuchbar und zugänglich wird.

Parallel dazu hat Helse Bergen damit begonnen, einfache BIM-Modelle von bestehenden Gebäuden zu erstellen. Diese Modelle bestehen oft nur aus der “Gebäudehülle”, enthalten aber alle Raumobjekte. Dies bietet einen großen Nutzen für das Raummanagement, sowohl für den internen Krankenhausbetrieb als auch für potenzielle Mieter. Darüber hinaus dient das Modell als Skelett, das im Laufe der Zeit erweitert werden kann.

Sentralblokken” wurde im November 1983 übergeben. Es wurde nun zu einem “slim-BIM” mit Gebäudehülle, Trockenbauwänden und Räumen modelliert. In der Anlage laufen mehrere Modernisierungsprojekte, die das Slim-BIM schrittweise zu einem umfangreicheren Datensatz erweitern

“Das ”Sentralblokken“ wurde im November 1983 übergeben. Es wurde nun zu einem ”slim-BIM" mit Gebäudehülle, Trockenmauern und Räumen modelliert. In der Anlage laufen mehrere Modernisierungsprojekte, die das Slim-BIM schrittweise zu einem umfangreicheren Datensatz erweitern

Der Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass mehr und mehr Daten mit den Modellen verknüpft werden können. Sobald die Informationen auf Raumebene registriert sind, werden sie automatisch mit dem Stockwerk, dem Gebäude und der Immobilie verknüpft und bilden so einen strukturierten, durchsuchbaren und skalierbaren Rahmen für die zukünftige Nutzung.

Notbeleuchtung im “slim-BIM”-Modell erfasst und dokumentiert

Notbeleuchtung im “slim-BIM”-Modell erfasst und dokumentiert

Durch die Erfassung von Anlagen wie der Notbeleuchtung können die entsprechenden Komponenten im Modell lokalisiert werden. Gehen Sie einfach um das Gebäude herum und nehmen Sie Fotos von den Anlagen auf. 2D-Ansicht des Modells auf der rechten Seite.

Durch die Erfassung von Anlagen wie der Notbeleuchtung können die entsprechenden Komponenten im Modell lokalisiert werden. Gehen Sie einfach um das Gebäude herum und nehmen Sie Fotos von den Anlagen auf. 2D-Ansicht des Modells auf der rechten Seite.

Scannen als Präzisionswerkzeug

Um eine hohe Genauigkeit zu gewährleisten, setzt Helse Vest 3D-Scans von Gebäuden ein. Dies geschieht sowohl zur Erstellung einer georeferenzierten Dokumentation als auch bei Renovierungsprojekten. Das Scannen ermöglicht es, sehr präzise Bestandsmodelle zu erstellen, die als Grundlage für die Anreicherung und Anpassung der einfachen BIM-Modelle dienen.

Bei Renovierungsprojekten ist dies besonders wertvoll: Die Projekte werden immer innerhalb der BIM/DRofus-Struktur ausgeführt und liefern zusammen mit den physischen Bauarbeiten aktualisierte digitale Modelle. Dadurch wird sichergestellt, dass die Gebäudedokumentation kontinuierlich aktualisiert wird.

Poincloud-Scan kombiniert mit BIM in “Sentralblokken” als Dokumentation und Vorbereitung für ein Upgrade

Poincloud-Scan kombiniert mit BIM in “Sentralblokken” als Dokumentation und Vorbereitung für ein Upgrade

dRofus als “einzige Quelle der Wahrheit”

Ein Schlüsselelement der Strategie ist die Verwendung von dRofus als Mastersystem für die TFM-Struktur - das ID-System für Räume, Systeme und Komponenten. Die gesamte O&M-Dokumentation ist mit diesen IDs verknüpft, was eine eindeutige Verbindung zwischen Modellobjekten und Dokumentation gewährleistet und eine nahtlose Kommunikation zwischen Anwendungen über APIs ermöglicht.

Dadurch entsteht eine robuste und zukunftsorientierte Architektur:

  • Neue Projekte liefern ihre Modelle in StreamBIM und O&M-Daten direkt in dRofus
  • Bestehende Gebäude können nach und nach mit gescannten Daten und neuen, im täglichen Betrieb gesammelten Informationen angereichert werden.
  • Das Betriebspersonal hat über mobile Geräte und Tablets Zugang zu aktuellen Informationen, auch wenn es innerhalb der Gebäude arbeitet.
StreamBIM für FM, dRofus Widget-Integration

dRofus PIM/AIM verknüpft mit dem StreamBIM-Modell

Die Vorteile: von Fragmenten zu einem ganzheitlichen Ansatz

Mit dieser Strategie baut Helse Vest schrittweise ein digitales Live-Archiv auf. Die wichtigsten Vorteile sind:

  • Bessere Raum-/Flächenverwaltung: effiziente Nutzung der Krankenhausflächen und einfacherer Dialog mit internen und externen Mietern
  • Nahtloser Informationsfluss: Projekte liefern vollständige Datensätze direkt in die O&M-Systeme
  • Weniger Fehler und weniger Doppelarbeit: Das Betriebspersonal hat immer Zugriff auf die neueste Version der Dokumentation
  • Potenzial für weitere Entwicklungen: Sobald die Struktur steht, kann BIM mit Sensordaten, Gebäudemanagementsystemen und Energieüberwachung verbunden werden - und wird so zu einem echten digitalen Zwilling

Lektionen für andere Gebäudeeigentümer

Helse Vest zeigt, dass man nicht auf vollständige BIM-Lieferungen von jedem Projekt oder Gebäude warten muss, um mit der Digitalisierung zu beginnen. Durch die Kombination von vorhandener Dokumentation, einfachen BIM-Modellen und schrittweiser Anreicherung durch Scannen und Erfassungen vor Ort kann ein digitales Portfolio Schritt für Schritt aufgebaut werden.

Der Schlüssel dazu ist eine klare Strategie, eine gemeinsame Datenumgebung (Common Data Environment, CDE) und eine definierte Asset-Struktur (ID-Codes für Räume, Komponenten und technische Systeme), die sicherstellt, dass die Daten im Betrieb und in der Verwaltung tatsächlich navigiert werden können.

Schlussfolgerung

Der Übergang von Papierzeichnungen zu digitalen Zwillingen erfolgt nicht über Nacht. Aber mit einem schrittweisen und pragmatischen Ansatz, wie ihn Helse Vest gewählt hat, kann selbst eine umfangreiche und vielfältige Bestandsdokumentation in die digitale Zukunft transformiert werden.

Die Erfahrungen von Helse Vest zeigen, dass es bei BIM in der O&M-Phase nicht nur um Technologie geht - es ist ein strategisches Werkzeug, um einen besseren Betrieb, niedrigere Kosten und ein nachhaltigeres Management der wichtigsten Gebäude der Gesellschaft zu gewährleisten.

Was StreamBIM für Sie tun kann:
  • Verarbeitung von BIM-Dateien (IFC), Pointclod-Formaten (las, e57), pdf und dwg im selben Viewer
  • Offene Api's zur Integration in ein CDE. BMS, BMMS, Asset db, Dokumentenmanagement-Systeme und andere relevante Web-Clients im StreamBIM-Widget
  • Machen Sie alle Ihre Zeichnungen, Modelle und Punktwolken auf Smartphones und Tablets verfügbar
  • Einfache Nutzung und Navigation Ihrer Daten sowie die Möglichkeit für die Mitarbeiter vor Ort bzw. in der Einrichtung, Beiträge zu aktualisierten Bestandsdaten zu leisten